Internationale Konferenz "A Region in Flux" (17./18.11.)

In Zusammenarbeit mit der „Türkischen Stiftung für Wirtschafts- und Sozialstudien“ (TESEV) veranstalteten das Türkei-Büro und das Nahost-Referat der Friedrich-Ebert-Stiftung eine internationale Konferenz im November  in Istanbul, die sich mit diesen Fragen beschäftigte. 50 Teilnehmer aus 12 Ländern diskutierten in vier aufeinander folgenden Panels mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten die aktuellen Transformationsprozesse in der arabischen Welt, wobei ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung auf der Rolle der Türkei in der Region lag: Kann die türkische Republik ein Modell für die sich transformierenden Staaten in Nordafrika und im Nahen Osten sein? Welche Agenda hat die türkische Regierung in ihrer Außenpolitik tatsächlich verfolgt und welche Interessen und Akteure spielen eine zentrale Rolle? waren die Fragen, die im ersten Panel der Konferenz bezüglich der Rolle der Türkei gestellt und diskutiert wurden.

Die sich verändernde Rolle Irans stand im Fokus der Debatte des zweiten Panels, das besonders die aufkeimende Rivalität zwischen Iran und der Türkei thematisierte. Der Einfluss Irans in der Region wird seit Jahren schwächer. Der von Iran erhoffte Export der islamischen Revolution in die arabische Welt hat nicht stattgefunden. Besonders die Selbsdiskreditierung des iranischen Regimes im Laufe der "Grünen Revolution" 2009 hat der Türkei die Möglichkeit gegeben, die Rolle des internationalen Vertreters der Region zu übernehmen.

Das dritte Panel widmete sich der aktuellen politischen Situation in Ägypten und der zukünftigen Rolle des Landes in der Region. Die neuen zentralen politischen Akteure Ägyptens wurden vorgestellt. Neben verschiedenen Gruppen innerhalb der islamistischen Bewegung wie der Muslimbruderschaft standen hierbei besonders das ägyptische Militär, seine Einbettung in der Gesellschaft und seine Rolle im Transformationsprozess im Zentrum der Diskussion.

Im abschließenden Panel der Konferenz wurden die Transformationsprozesse in Nahost und die Rolle der Türkei aus deutscher und europäischer Sicht beleuchtet. Es wurde dabei gezeigt, dass die Türkei sich zwar einerseits geschickt verhält, wenn sie je nach Spielpartner unterschiedliche politische Karten spielt. Doch wurde auch gewarnt, die Türkei bewege sich auf gefährlichem außenpolitischem Glatteis, wenn sie traditionelle strategische Allianzen wie die zu Israel aufkündige. Generell wurde dafür plädiert, dass die Türkei die EU-Beitrittsbemühungen fortsetze, um die innertürkischen Reformen und die außenpolitische Einbindung in westliche Bündnisse weiterhin zu gewährleisten.